Viele Eltern machen sich Sorgen, wenn sie sehen, dass ihr Kind beim Laufen die Knöchel nach innen knickt oder die Füße ungewöhnlich flach auf dem Boden aufsetzen. Der erste Gedanke ist oft: „Stimmt da etwas nicht?“ Die Antwort ist in den meisten Fällen beruhigend – denn ein gewisses Maß an Knickfuß ist bei Kleinkindern vollkommen normal und gehört zur natürlichen Entwicklung des Fußes dazu. Trotzdem lohnt es sich, genau hinzuschauen. Denn nicht jeder Knickfuß wächst sich von selbst heraus, und wer zu lange wartet, verpasst möglicherweise den besten Zeitpunkt für eine einfache Behandlung.
Was ein Knickfuß ist und wie er entsteht
Beim Knickfuß – medizinisch als Pes valgus bezeichnet – weicht die Ferse nach außen ab, während das innere Fußgewölbe absinkt oder gar nicht erst ausgebildet ist. Der Fuß knickt also an der Ferse nach innen, was von hinten betrachtet deutlich sichtbar ist. Häufig tritt der Knickfuß gemeinsam mit einem Flachfuß auf – man spricht dann vom Knick-Senkfuß.
Bei Neugeborenen und Kleinkindern bis etwa drei Jahren ist das Fußgewölbe noch nicht ausgebildet. Ein Fettpolster unter dem inneren Fußrand täuscht einen flachen Fuß vor, und die Bänder sind noch sehr dehnbar. Das ist normal und kein Grund zur Beunruhigung. Zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr beginnt sich das Längsgewölbe zu entwickeln, und leichte Knickfüße verschwinden bei den meisten Kindern von selbst. Bis zum zehnten Lebensjahr sollte der Fuß seine endgültige Form weitgehend erreicht haben.
Wann ein Knickfuß behandlungsbedürftig ist
Die entscheidende Frage ist: Handelt es sich um einen normalen Entwicklungsknickfuß oder um eine behandlungsbedürftige Fehlstellung? Einige Zeichen sprechen dafür, dass genauer hingeschaut werden sollte:
- Das Kind klagt häufig über Schmerzen in den Füßen, Knien oder der Wade – besonders nach längerem Laufen oder Sport
- Die Knickstellung ist auf einem Fuß deutlich ausgeprägter als auf dem anderen
- Das Kind ist auffällig unsportlich, stolpert häufig oder meidet Bewegung
- Schuhe werden ungewöhnlich schnell und einseitig an der Innenseite abgenutzt
- Das Kind ist bereits über sechs Jahre alt und die Fehlstellung hat sich nicht verbessert
Diese Hinweise bedeuten nicht automatisch, dass etwas ernsthaft falsch ist – aber sie sind Grund genug, einen Kinderorthopäden oder Kinderarzt aufzusuchen.
Ursachen, die über die normale Entwicklung hinausgehen
Bei den meisten Kindern ist der Knickfuß eine harmlose Entwicklungsvariante. Doch es gibt Ursachen, die eine gezielte Behandlung notwendig machen. Bindegewebsschwäche – also eine angeborene oder vererbte Lockerheit von Bändern und Sehnen – führt dazu, dass der Fuß nicht die nötige Stabilität aufbauen kann, um ein gesundes Gewölbe zu formen. Übergewicht erhöht die Last auf das sich noch entwickelnde Fußskelett und kann die Ausprägung eines Knickfußes verstärken.
In selteneren Fällen steckt eine neurologische Erkrankung oder eine Muskelerkrankung hinter der Fehlstellung – zum Beispiel eine Zerebralparese oder eine Muskelhypotonie. Auch nach Verletzungen oder Operationen am Fuß kann es zu bleibenden Fehlstellungen kommen. Diese Fälle erfordern eine spezialisierte Abklärung und oft eine engmaschigere Betreuung.
Folgen eines unbehandelten Knickfußes
Bleibt ein ausgeprägter Knickfuß unbehandelt, können sich langfristig Folgeprobleme entwickeln. Die veränderte Stellung des Fußes überträgt sich auf das gesamte Bein: Knie und Hüfte werden ebenfalls in eine unnatürliche Position gezogen, was zu Überlastungsschmerzen führen kann. Kinder mit ausgeprägtem Knickfuß neigen außerdem häufiger zu Schienbeinschmerzen und haben ein höheres Risiko für Knieprobleme im Erwachsenenalter. Auch die Wirbelsäule kann langfristig betroffen sein, wenn eine Fehlstellung im Fuß die gesamte Körperstatik beeinflusst.
Wie ein Knickfuß bei Kindern behandelt wird
Die Behandlung richtet sich nach Alter, Schweregrad und Ursache. Bei einem normalen Entwicklungsknickfuß ist oft keine aktive Therapie nötig – regelmäßige Kontrollen und gezielte Förderung der Fußmuskulatur reichen aus.
Einlagen und Schuhversorgung
Orthopädische Einlagen sind das am häufigsten eingesetzte Hilfsmittel bei Knickfüßen im Kindesalter. Sie stützen das innere Längsgewölbe, führen die Ferse in eine gerade Position und helfen dem Fuß, sich in einer gesünderen Stellung zu entwickeln. Wichtig: Einlagen ersetzen keine aktive Therapie und sollten immer in Kombination mit Bewegung und Übungen eingesetzt werden.
Beim Schuhkauf gilt: feste Fersenkappe, flexibler Vorderfußbereich und ausreichend Platz für die Zehen. Hochgeschlossene Schuhe mit stabiler Ferse sind sinnvoll, sollten aber nicht so starr sein, dass der Fuß gar keine Eigenarbeit mehr leisten kann. Barfußlaufen auf natürlichem Untergrund – Sand, Gras, Waldboden – ist eine wertvolle Ergänzung, weil es die kleinen Fußmuskeln auf natürliche Weise trainiert.
Physiotherapie und gezielte Übungen
Wenn die Fußmuskulatur schwach ist oder der Knickfuß ausgeprägt ist, kann Physiotherapie sinnvoll sein. Gezielte Übungen stärken die Muskeln, die das Fußgewölbe aktiv stabilisieren, und verbessern die Körperwahrnehmung. Viele dieser Übungen lassen sich spielerisch in den Alltag integrieren:
- Auf Zehenspitzen gehen und stehen – stärkt die Wadenmuskulatur und das Fußgewölbe
- Murmeln oder ein Tuch mit den Zehen aufheben – fördert die Greifkraft der Zehenmuskulatur
- Einbeinstand – verbessert Gleichgewicht und Stabilität des gesamten Fußes
- Barfußlaufen über verschiedene Untergründe – fordert die Muskulatur auf abwechslungsreiche Weise
Knickfuß bei Kindern im Therapiezentrum Melias
Im Therapiezentrum Melias in Bad Kreuznach werden auch die jüngsten Patienten mit Erfahrung und Einfühlungsvermögen behandelt. Podologie und Physiotherapie arbeiten Hand in Hand, wenn es darum geht, Fußfehlstellungen bei Kindern frühzeitig zu erkennen und zu begleiten. Eltern, die unsicher sind, ob der Knickfuß ihres Kindes Behandlung braucht, finden hier eine kompetente Anlaufstelle für eine ehrliche Einschätzung ohne Panikmache.




