Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit – kurz pAVK – verengen sich die Arterien, die Beine und Füße mit Blut versorgen. Das Gewebe bekommt nicht mehr genug Sauerstoff, und genau das macht pAVK zu einer der ernsthaftesten Erkrankungen, mit denen die Podologie konfrontiert ist. Selbst kleine Wunden oder unbehandelte Druckstellen können bei Betroffenen zu großen Problemen werden. Umso wichtiger ist eine regelmäßige, fachkundige Fußpflege – denn sie kann im wörtlichen Sinne dazu beitragen, schlimmere Folgen zu verhindern.
Was pAVK mit den Füßen macht
pAVK entsteht meist durch Arteriosklerose – also durch Ablagerungen in den Gefäßwänden, die den Blutfluss zunehmend einschränken. Betroffen sind häufig Menschen ab dem 60. Lebensjahr, Raucher, Diabetiker sowie Menschen mit Bluthochdruck oder erhöhten Blutfettwerten. Die Beine sind das am häufigsten betroffene Körperareal, und dort sind es vor allem die Füße und Unterschenkel, die unter der schlechten Durchblutung leiden.
Typische Beschwerden sind Schmerzen beim Gehen, die sich durch kurze Pausen wieder bessern – dieses Phänomen wird auch als „Schaufensterkrankheit“ bezeichnet, weil Betroffene regelmäßig stehenbleiben müssen. In fortgeschrittenen Stadien treten Schmerzen auch in Ruhe auf, und die Haut an den Füßen verändert sich sichtbar: Sie wird blass, kalt, glänzend und sehr dünn. Nägel wachsen langsamer, Haare an den Beinen fallen aus.
Warum die Wundheilung so problematisch ist
Bei gesunden Menschen heilt eine kleine Schnittwunde oder eine Druckstelle innerhalb weniger Tage. Bei pAVK-Patienten ist das anders. Das Gewebe ist schlecht durchblutet, der Transport von Sauerstoff und Nährstoffen zur Wunde funktioniert nicht richtig – und das Immunsystem kann Keime nicht so effektiv bekämpfen. Die Folge: Selbst winzige Verletzungen können sich entzünden, schlecht heilen oder sich zu chronischen Wunden entwickeln. In schweren Fällen droht sogar eine Gewebsnekrose – also das Absterben von Gewebe.
Das ist der Grund, warum bei pAVK-Patienten absolute Vorsicht geboten ist. Jede Maßnahme an Haut und Nägeln muss mit größter Sorgfalt durchgeführt werden.
Die Haut als Warnsignal
Wer regelmäßig auf seine Füße schaut, kann Veränderungen frühzeitig erkennen. Bei pAVK zeigt die Haut oft deutliche Zeichen: Sie wird trocken, rissig und verliert ihre natürliche Elastizität. Kleine Einrisse – sogenannte Rhagaden – entstehen besonders an der Ferse und zwischen den Zehen. Diese sind nicht nur schmerzhaft, sondern auch potenzielle Eintrittspforten für Bakterien. Auch Nagelpilz oder verdickte Nägel, die bei gesunden Menschen eher kosmetische Probleme sind, können bei pAVK-Patienten ernste Konsequenzen haben.
Was die Podologie bei pAVK leisten kann
Podologinnen und Podologen sind speziell ausgebildet, um Risikopatienten sicher zu versorgen. Das bedeutet: Sie arbeiten mit sterilisiertem Werkzeug, kennen die besonderen Anforderungen schlecht durchbluteter Haut und wissen, welche Maßnahmen bei pAVK möglich sind und welche vermieden werden sollten.
Die podologische Behandlung bei pAVK umfasst in der Regel folgende Leistungen:
- Fachgerechte Nagelpflege: Nägel werden vorsichtig und gerade gekürzt, ohne dabei die empfindliche Haut zu verletzen. Verdickte Nägel werden abgetragen, Nagelpilz wird erkannt und dokumentiert.
- Hornhaut- und Schwielenbehandlung: Übermäßige Hornhaut wird schonend entfernt – aber nur so viel wie nötig, denn ein gewisser Schutzfilm ist sinnvoll. Aggressive Methoden wie Hornhauthobel oder stark wirkende Keratolytika sind bei pAVK tabu.
- Wundkontrolle und Dokumentation: Podologinnen und Podologen schauen systematisch nach Rissen, Druckstellen oder auffälligen Hautstellen. Veränderungen werden dokumentiert und bei Bedarf an den behandelnden Arzt weitergegeben.
- Druckentlastung: Mit speziellen Polstern oder Schaumstoffmaterialien können Druckstellen gezielt entlastet werden, damit keine neuen Wunden entstehen.
Zusammenarbeit mit der Medizin
Podologie bei pAVK funktioniert am besten als Teil einer abgestimmten Versorgung. Der Gefäßchirurg oder Angiologe behandelt die Grunderkrankung, der Hausarzt koordiniert die Therapie – und die Podologie kümmert sich um die tägliche Versorgung der Füße. Diese Zusammenarbeit ist kein Nice-to-have, sondern in vielen Fällen entscheidend dafür, ob sich kleine Probleme zu großen entwickeln oder nicht.
Besonders wichtig: Bei pAVK-Patienten ist die podologische Behandlung in der Regel als medizinische Leistung verordnungsfähig. Das bedeutet, dass Ärzte eine podologische Behandlung auf Rezept ausstellen können, die dann von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wird. Wer unsicher ist, ob das in seinem Fall zutrifft, sollte das direkt beim Hausarzt oder beim Podologen ansprechen.
Was Betroffene selbst tun können
Neben der professionellen Versorgung gibt es einige Dinge, die pAVK-Patienten im Alltag selbst beachten sollten:
- Füße täglich kontrollieren – auf Rötungen, Druckstellen, Risse oder Verfärbungen achten, auch zwischen den Zehen
- Füße warmhalten, aber keine Wärmflaschen oder Heizkissen direkt auf der Haut verwenden – das Verbrennungsrisiko ist bei schlechter Durchblutung erhöht
- Gut sitzendes Schuhwerk tragen, das nirgends drückt oder reibt
- Keine engen Socken oder Strümpfe mit einschneidenden Bündchen
- Füße eincremen, um die Haut geschmeidig zu halten – aber nicht zwischen den Zehen, da dort Feuchtigkeit Pilzinfektionen begünstigt
Rauchen als größter Risikofaktor
An dieser Stelle ist ein klarer Hinweis wichtig: Rauchen ist der stärkste vermeidbare Risikofaktor für pAVK. Nikotin schädigt die Gefäßwände und fördert die Entstehung von Ablagerungen massiv. Wer bereits an pAVK erkrankt ist und weiter raucht, beschleunigt das Fortschreiten der Erkrankung erheblich. Ein Rauchstopp ist in diesem Fall keine bloße Empfehlung, sondern medizinisch dringend geboten.
Podologie bei pAVK im Therapiezentrum Melias
Im Therapiezentrum Melias in Bad Kreuznach gehört die Versorgung von Risikopatienten zum podologischen Alltag. Das Team weiß, worauf es bei pAVK ankommt, und arbeitet eng mit anderen Fachbereichen zusammen. Wer an pAVK leidet und eine qualifizierte podologische Behandlung sucht, findet hier eine verlässliche Anlaufstelle – mit dem Ziel, die Fußgesundheit langfristig zu erhalten.




